Die Geschichte unseres ersten Designs „Flur“

Digitalisierung Flur Schritt 3 von Hello Heidi Fabrics GmbH

Bevor hier jemand fragt: Nein, „Flur“ hat nichts mit „Diele“ oder „Hauseingang“ zu tun. (Obwohl wir zugegeben müssen, dass das auch noch lustig gewesen wäre.) Flur ist ein rätoromanischer Begriff und heisst übersetzt Blume. Der Designmittelpunkt unserer ersten Kollektion ist eine Blüte, besser gesagt ein ganzes Meer davon.

Weil wir nicht nur ein Muster herausbringen, sondern auch eine Botschaft damit verbinden wollen, erzählen wir euch hier die Geschichte zu „Flur“. Sie beginnt vor über einem Jahr. Damals waren wir auf der Suche nach dem perfekten Design für unseren Geschäftsstart. Modern sollte es sein und reduziert, aber gleichzeitig auch warmherzig, naturverbunden – und mit Bezug zur Schweiz. Tönt echt kompliziert. Was für ein Glück, dass Barbara diese uralten Holzdruckplatten einfielen, die sie von ihrem Grossvater geerbt hatte. Sie brachte spontan ein Exemplar zu einer unserer Besprechungen mit.

Ich weiss noch, wie wir den uralten Model (so nennt man diese Holzdruckplatten) anstarrten, mit den Fingern über seine glatten Flächen strichen und über die Qualität der Arbeit staunten. Es ist nicht einfach, ein komplexes Muster aus einem Stück Holz zu schneiden. Die Menschen, die das früher machten, waren so genannte Holz- oder Kupferstecher. Das Berufsbild ist schon lange verschwunden, aber die Holzmodeln sind uns geblieben. Man findet die Druckplatten auf Dachböden, als Dekorationsobjekte an Wänden oder in Museen. Gerade hierzulande, wo man auf eine bewegte Geschichte im Textilbereich zurückblickt, gehören diese Modeln zum kulturellen Erbe.

Wir wissen nicht besonders viel über unsere Platten. Birnbaumholz, Entstehungszeit zwischen 1880 und 1910, mehrere Kilogramm schwer, mit Griffmulden auf der Rückseite. Barbaras Grossvater hatte viele Jahre bei der Wattwiler Firma Heberlein gearbeitet. Das Toggenburger Textilunternehmen machte sich im 19. Jahrhundert als Lohnfärberei einen Namen. Vereinfacht gesagt kaufte Heberlein (oftmals in Heimarbeit gesponnene) Baumwollgarne ein und färbt bzw. veredelte sie. Diese Garne gingen dann an Webereien, die daraus farbenfrohe Tücher herstellten. Vom Design her sahen diese Tücher den heutigen Küchentüchern verblüffend ähnlich. Nach und nach erweiterten die Toggenburger ihr Portfolio und bedruckten zusätzlich Stoffe. Anfangs gelang das nur mit Holzmodeln. Als um 1916 die erste Druckmaschine anlief, war die Zeit der Druckstöcke vorbei.

Aber zurück zu „unserer“ ersten Platte. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um stilisierte Blüten – und nicht etwa um die naturgetreue Darstellung von Akelei, Küchenschelle und Co. Ausserdem scheint ein Teil des Designs zu fehlen. Besonders deutlich wurde das, nachdem Petra Wünsche, unsere Freundin, Nähbloggerkollegin, Buchautorin und Grafikdesignerin das Muster für uns digitalisierte.

Wir glauben, dass „Flur“ ursprünglich mit zwei Modeln gedruckt wurde. Vielleicht kamen unterschiedliche Druckfarben zum Einsatz, vielleicht wirkte der Druck durch die zwei Arbeitsschritte plastische? – Wir wissen es nicht. Es war aber klar, dass Flur, um es benutzen zu können, vervollständigt werden musste.

Petra, die bereits sehr erfolgreiche Stoffmuster fürs Stoffbüro entworfen hat, vollendete mit viel Gespür schrittweise das Design. Das Ergebnis ist faszinierend. Flur ist keine simple Aneinanderreihung von Blümchen, sondern besteht aus einem komplexen, geradezu modernen Rapport. Dass dieses florale Muster das Zeug zum Klassiker hat, sahen nicht nur wir, sondern auch Tobias und Fritz Renz von Albstoffe. Jetzt liegt es an euch 🙂

Bettina

P.S. Erwähnte ich, dass wir mehrere Druckplatten haben?

15 Idee über “Die Geschichte unseres ersten Designs „Flur“

  1. Pingback: Herbstoutfit nähen: Hello Heidi hat die passende Stoffkollektion dazu | pedilu

  2. Pingback: Allegra! – Hello Heidi! | naadisnaa

  3. Metti Plump sagt:

    Danke für diesen Blick hinter die Kulissen. Super spannend! Solche Druckplatten kenne ich aus anderen Zusammenhängen, wusste aber nicht, dass sie auch für den Stoffdruck verwendet wurden. Wirklich toll, wie behutsam ihr das alte Design vervollständigt habt. Ohne diesen Hintergrund wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass das Design historische Wurzeln hat. Es wirkt wirklich modern.
    Liebe Grüße Metti

    Ps: ich bin gespannt auf die weiteren Druckplatten bzw. darauf was ihr daraus macht

    • Hello Heidi Team sagt:

      Ja, krass, gell? Wir sind immer noch ganz fasziniert und fragen uns, wer wohl der Künstler war. Und ob man ihn (vermutlich ein er) überhaupt als Künstler, oder eher als Handwerker wahrgenommen hat.

  4. Pingback: Swiss quality: Hello Heidi meets Prism – Sew Mariefleur

  5. Christina sagt:

    Herrlich! Ich liebe es, etwas über solche Details zu erfahren!
    Wie schön, dass dieser damals sicher seeehr aufwändigen Arbeit heute nochmal neues Leben eingehaucht werden kann!
    Für mich sieht es übrigens aus, als ob man von oben auf ein Meer aus Sonnenhut-Stauden schaut!
    Wunderschön!
    Grüße Christina

  6. schaumzucker sagt:

    Wirklich großartig! Sogar mit Geschichte dahinter .. das dürfen nicht viele von sich behaupten.
    Ich bin schon wirklich ganz gespannt auf eure weiteren „Druckplatten“ 😀
    Ganz liebe Grüße!
    Anna

  7. Tanja sagt:

    Oh das ist aber mal eine sehr schöne Geschichte zum Stoff ❤️ Toll das ihr auf so altes Handwerk zurück greift. Und das Ergebnis ist super schön geworden ❤️

  8. Sandra sagt:

    Was für eine schöne Geschichte, der Stoff ist wunderschön geworden! Mein Grossvater hat auch bei Heberlein gearbeitet, leider weiss ich viel zu wenig darüber. Schade, dass so viel altes Wissen verloren geht.
    Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg! Liebe Grüsse Sandra

  9. Pingback: Kuschelkleidung für den Herbst – Firlefanz Blog

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